"Gelenkter Zufall" Doppelausstellung mit Anna Beller in der Galerie im Stammelbach-Speicher Hildesheim 13.09. - 11.10.
Aktualisiert: vor 12 Stunden
Liebe Freundinnen und Freunde der minimalistischen Fotografie,
Die Eröffnung am letzten Sonntag in Hildesheim war ein Fest! Über 180 Gäste wurden gezählt, und Carlota Gomez, u.a. Kuratorin des Kunstverein Hannover, hielt die Eröffnungsrede.
Auf der 1. Ebene des Stammelbach-Speicher zeige ich mit der Malerin Anna Beller aus Hannover (www.annabeller.de) - unsere Arbeiten zum Thema "Gelenkter Zufall". Unsere Werke treten auf 400m2 in den gelungenen Dialog: Unsere Bilder verbindet das Medium Farbe, der Minimalismus und das poetische Spiel mit dem (gelenkten) Zufall.
Am 11.10. werden wir um 15 Uhr eine gemeinsame KünstlerInnenführung anbieten. Wir freuen uns auf Sie!
Die Originale sind erwerbbar, schreiben Sie mir, wenn Sie Fragen haben oder ich Ihnen eine Preisliste zusenden können.
Sonntag, 11. Oktober 2026 – 15:00 Uhr - Künstler/innen-Führung durch die Ausstellung
Begleittext zur Ausstellung von Carlota Gomez
Was geschieht, wenn eine Fotografie beginnt, sich wie ein Gemälde zu verhalten, oder wenn ein Gemälde die Erinnerung an etwas Gesehenes zu bewahren scheint?
Gelenkter Zufall bringt Arbeiten von Anna Beller und Guido Klumpe zusammen, zwei Künstler:innen, die präzise Voraussetzungen für die Entstehung eines Bildes schaffen und zugleich zulassen, dass Material, Schwerkraft, Licht, Textur und Zeit die Resultate beeinflussen. Zufall bedeutet hier nicht die Abwesenheit von Kontrolle, sondern wird wirksam, nachdem bereits eine Entscheidung getroffen wurde: Eine Oberfläche wird vorbereitet, ein Ausschnitt gewählt, Farbe gegossen, ein Fragment der Welt isoliert, und von diesem Moment an beginnt das Bild, seine eigene Form auszuhandeln, zwischen gegenstandsloser Gestaltung und dem möglichen Auftauchen des Figurativen.
Über das physische Verhalten der Farbe nähert sich Anna Beller dieser Ambivalenz. Sie arbeitet mit flüssigem Acryl- und Keramiklack, gießt und kippt die Farbe über die Leinwand und setzt so einen Prozess in Gang, der von Schwerkraft, Viskosität und Trocknungszeit geprägt ist, ohne dass die Gemälde je auf diese materielle Logik beschränkt bleiben. Ihre Oberflächen erinnern an einen fernen Horizont oder das Gewicht eines ruhenden Körpers – figurative Assoziationen, die im Zusammentreffen der Farben nur kurz aufscheinen, bevor sie wieder in die Offenheit der Farbflächen zurückgleiten.
Vertraute Umgebungen erscheinen in Guido Klumpes Fotografien in jenem Moment, in dem sie ihre Figürlichkeit zu verlieren beginnen. Eine Fassade, ein Schatten oder ein vorbeiziehender Körper kann sich in eine Anordnung von Farbe und Form verwandeln, schwebend zwischen Erkennbarkeit und Offenheit. Das Bild beruht auf einer gesteigerten Aufmerksamkeit für solche flüchtigen Situationen und auf der Fähigkeit des Künstlers, zu reagieren, bevor sie verschwinden. So wird das Zufällige in jenem Augenblick wirksam, in dem sich das Alltägliche für einen kurzen Moment auf etwas Unerwartetes hin öffnet. Das Abstrakte entsteht hier nicht dadurch, dass das Gegenständliche verschwindet, sondern indem es in der Schwebe gehalten wird – möglich, spürbar und nie vollständig aufgelöst.
Malerei und Fotografie bewahren in der Galerie im Stammelbach-Speicher jeweils ihre eigene räumliche Präsenz. Sie greifen zugleich immer wieder in das jeweils andere visuelle Feld über. Bisweilen erscheinen sie als klar voneinander getrennte Werkgruppen, an anderer Stelle entstehen durch Farbe, Oberfläche, Rhythmus und Maßstab unerwartete Korrespondenzen im Raum. In dieser Begegnung übernimmt Bellers Malerei von der Fotografie die Andeutung, dass ein Bild auf etwas jenseits seiner selbst verweisen kann, während Klumpes Fotografien von der Malerei deren Ambivalenz, Dichte und materielle Präsenz aufnehmen.
Gegenständlichkeit und Abstraktion stehen sich dabei nicht länger gegenüber, sondern bewegen sich als wechselnde Formen des Ausdrucks durch die Ausstellung.
Weniger eine festgelegte Methode als vielmehr eine gemeinsame Haltung könnte Gelenkter Zufall bezeichnen: den Versuch, einer Darstellung einen Rahmen zu geben und zugleich aufmerksam für das zu bleiben, was sich der Absicht entzieht. In beiden Praktiken tritt das Unerwartete nicht nur in den Entstehungsprozess ein, sondern auch in den Akt des Sehens, wenn Formen zwischen Erkennbarkeit und Auflösung changieren und die Interpretationsmöglichkeiten offenbleiben.
Eröffnung am Sonntag,
dem 13. September um 11.15 Uhr
Einführung durch Carlota Gómez und Leon Heitmann
Eröffnet wird ebenfalls die Ausstellung "ICH:MEDIUM"
von Jessika Dirks und Edin Bajrić
Öffnungszeiten jeweils bis zum 11. Oktober:
Samstag 12.00 - 17.00 Uhr und Sonntag 12.00 - 17.00 Uhr
Mi 30. September 2026, 19.30 Uhr:
Konzert der Hildesheimer Band "Musik für die Zukunft", Eintritt frei
Fr 9. Oktober 2026, 19.30 Uhr:
Vortrag »No Longer/ Not Yet«
mit Cedric Fernández und Charish Scheurer, Eintritt frei
Sonntag, 11. Oktober 2026 – 15:00 Uhr - Künstler/innen-Führung durch die Ausstellung
Galerie im Stammelbach-Speicher
Wachsmuthstraße 20/21
31134 Hildesheim
5 Minuten Fussweg vom HBF Hildesheim
Parkmöglichkeit im Stammelbach-Parkhaus
0172-4142262



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